Vereinsgeschichte & Meilensteine der Provenienzforschung
Die nachfolgende Chronik verfolgt auszugsweise die Entstehungsgeschichte des Arbeitskreises, der bereits lange existierte, bevor erste Maßnahmen der Politik konkrete Umsetzung fanden.
Dezember 1998
Washington Principles
Internationale Konferenz über Vermögenswerte aus der Zeit des Holocaust in Washington D. C.; Unterzeichnung der Washington Principles durch 44 Staaten, zwölf nichtstaatliche Organisationen sowie dem Vatikan, die sich verpflichteten, NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut zu identifizieren und „gerechte und faire“ Lösungen mit Besitzer*innen bzw. Nachfahr*innen zu erzielen
Januar 1999
ICOM Recommendations
Veröffentlichung der ICOM Recommendations concerning the Return of Works of Art Belonging to Jewish Owners
November 1999
Resolution 1205
Verabschiedung der Resolution 1205 durch die Parlamentarische
Versammlung des Europarates, in der die Rückgabe geraubter
jüdischer Kulturgüter gefordert wird
Dezember 1999
Gemeinsame Erklärung
Verabschiedung der Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur
Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere
aus jüdischem Besitz (Gemeinsame Erklärung)
April 2000
Datenbank Lost Art
Freischaltung der Internet-Datenbank Lost Art für Such- und Fundmeldungen zu Objekten der NS-Raubkunst und der Beutekunst von Institutionen und Privatpersonen
Oktober 2000
Vilnius Forum
Vilnius Forum on Holocaust Era Looted Cultural Assets unter der Schirmherrschaft des Generalsekretärs des Europarats und der litauischen Regierung
November 2000
Gründung des Arbeitskreises Provenienzforschung
Erstes Treffen im Wallraf-Richartz-Museum in Köln zu Museen und Kunst im Nationalsozialismus zwischen Ilse von zur Mühlen
(Bayerische Staatsgemäldesammlungen,
München), Ute Haug (Hamburger Kunsthalle), Laurie A. Stein (The Art Institute of
Chicago Museum; St. Louis Art Museum) Katja Terlau (Wallraf-
Richartz-Museum, Köln)
Dezember 2002
Empfehlungen zur Provenienzverzeichnung & T-PRO
Veröffentlichung der Empfehlungen zur Provenienzverzeichnung der AG Alte Drucke (AAD) beim Gemeinsamen Bibliotheksverband
(GBV) und Einführung des T-PRO (Thesaurus der Provenienzbegriffe)
Juli 2003
Gründung der unabhängigen Beratenden Kommission
Gründung der unabhängigen Beratenden Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz unter dem Vorsitz
der ehem. Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts Jutta Limbach (1934 – 2016) durch Bundesregierung, Länder und kommunale Spitzenverbände
Januar 2007
Arbeitsgruppe Restitutionsfragen
Einrichtung einer Arbeitsgruppe zu Restitutionsfragen durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Bernd Neumann, in Reaktion auf die Diskussionen um die Rückgabe des Gemäldes Berliner Straßenszene von Ernst Ludwig Kirchner aus dem Berliner Brücke-Museum
Januar 2008
Arbeitsstelle für Provenienzrecherche / und -forschung (AfP) beim
Einrichtung der Arbeitsstelle für Provenienzrecherche / und
-forschung (AfP) beim Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit
dem Etat von einer Million Euro jährlich; Gründung eines wissenschaftlichen Beirats unter dem Vorsitz von Uwe M. Schneede
Juni 2009
Terezin Declaration
Auf der Holocaust Era Assets Conference in Prag und Theresienstadt wird die Theresienstädter Erklärung über Holocaust-Vermögenswerte
und damit verbundene Fragen (Terezin Declaration) verabschiedet, der sich 47 Staaten anschließen; Gründung des European Shoah Legacy Instituts (ESLI) durch das Außenministerium der Tschechischen Republik mit Unterstützung der World
Jewish Restitution Organization (WJRO)
Juli 2011

Erstmalige Wahl zweier Sprecherinnen
Arbeitskreis-Treffen, Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale. Erstmals Wahl zweier Sprecherinnen: Anja Heuß, Katja Terlau
November 2013
„Schwabinger Kunstfund“
Veröffentlichung einer Exklusivstory im Magazin Focus nach dem Bekanntwerden eines Kunstfundes, der bereits 2012 durch die Staatsanwaltschaft Augsburg in der Wohnung von Cornelius Gurlitt (1932–2014) in München-Schwabing beschlagnahmt worden war; Gründung der Taskforce „Schwabinger Kunstfund“
September 2014
Bericht Holocaust-Era Looted Art
Publikation des Berichts Holocaust-Era Looted Art: A Current World-Wide Overview durch die Conference on Jewish Material Claims Against Germany and World Jewish Restitution Organization anlässlich der ICOM Museum & Politics Conference in St. Petersburg
November 2014
Gründung des Arbeitskreis Provenienzforschung e.V.
Arbeitskreis-Treffen, Kunsthalle Bremen; Gründung des Arbeitskreis Provenienzforschung e.V.;
69 Mitglieder unterzeichnen die
Vereinssatzung; erste Vorstandswahl: Ute Haug (Vorsitzende), Andrea Bambi, Jasmin Hartmann, Isabel von Klitzing, Leonhard Weidinger
Januar 2015
Deutsches Zentrum Kulturgutverluste (DZK)
Zusammenführung der Koordinierungsstelle und der Arbeitsstelle im Deutschen Zentrum Kulturgutverluste (DZK) als Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Magdeburg (Trägerschaft: Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände)
Juni 2017
Richtlinien für die Förderung der Provenienzforschung
Die Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste verabschiedet Richtlinien für die Förderung der Provenienzforschung mit ihrer Erweiterung auf private Antragsteller*innen
2017
SBZ / DDR
Der Stiftungsrat des DZK beschließt Förderung der Grundlagenforschung
zu Kulturgutentziehungen in der Sowjetischen Besatzungszone
(SBZ) und in der DDR
2018

Leitfaden zur Standardisierung von
Provenienzangaben
Veröffentlichung des Leitfadens zur Standardisierung von
Provenienzangaben
November 2018
Report on cross-border restitution claims &
Konferenz 20 Jahre Washingtoner Prinzipien
Veröffentlichung des Report on cross-border restitution claims of works of art and cultural goods looted in armed conflicts and wars des Europäischen Parlaments
Anlässlich der Konferenz 20 Jahre Washingtoner Prinzipien: Wege in die Zukunft des DZK im Haus der Kulturen der Welt in Berlin bekräftigen Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Außenamts-
Staatsministerin Michelle Müntefering gemeinsam mit den US-Sonderbeauftragten für Holocaust-Fragen, Stuart Eizenstat und Thomas Yazdgerdi, in einer gemeinsamen Erklärung den Willen zu weiteren Anstrengungen bei der Umsetzung der Prinzipien
Januar 2019
Koloniale Kontexte & Netzwerk europäischen Restitutionskommissionen
Inkrafttreten der Förderrichtlinie für den Förderbereich zu
Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten beim
Deutschen Zentrum Kulturgutverluste
Gründung eines Netzwerks der europäischen Restitutionskommissionen
zwischen Deutschland, England, Frankreich, den Niederlanden und Österreich
April 2019
Erster Internationaler Tag der Provenienzforschung
Der erste Internationale Tag der Provenienzforschung wird organisiert und koordiniert
November 2019

Leitfaden Provenienzforschung
Veröffentlichung des Leitfaden Provenienzforschung in
Kooperation mit dem DZK und weiteren
Januar 2020
Datenbank PROVEANA & Help Desk
Launch der Forschungsdatenbank PROVEANA des DZK und
Einrichtung einer Kontakt- und Informationsstelle für die Opfer
der verfolgungsbedingten Entziehung von Kulturgut während der nationalsozialistischen Herrschaft und ihrer Nachfahren (Help Desk)
März 2020-Juni 2022

Bundesverdienstkreuz für Gründungsmitglieder
Gründungsmitglied Laurie A. Stein erhält im März 2020 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Ilse von zur Mühlen, Katja Terlau und Ute Haug erhalten das Bundesverdienstkreuz am Bande 2022.